Rundlicher Kopf, dunkle Flecken und ein Faible für Sandbänke: Der Seehund ist das Gesicht des Wattenmeers und taucht bei Bedarf bis zu 200 Meter tief.
Der Seehund ist eine Robbe aus der Familie der Hundsrobben und zählt zur Ordnung der Raubtiere. Er lebt in den gemäßigten Meeren der Nordhalbkugel, sowohl im Atlantik als auch im Pazifik. Weltweit gibt es schätzungsweise rund 500.000 Tiere, etwa 90.000 davon an Europas Küsten. Der Name hat übrigens weder mit der See noch mit Hunden zu tun: Er geht auf ein altes germanisches Wort für „Robbe“ zurück, das im englischen „seal“ bis heute weiterlebt. Früher nannte man ihn auch Meerkalb.
Besonders macht den Seehund seine bewegte Geschichte mit dem Menschen. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde er als vermeintlicher Konkurrent der Fischer gezielt bejagt und an den Rand der Ausrottung gebracht. Später setzten ihm Umweltgifte und die Staupe-ähnliche PDV-Seuche von 1988 schwer zu, der rund zwei Drittel des Bestands zum Opfer fielen. Seit dem Ende der Jagd haben sich die Bestände erholt, und 2006 wurde er zum Wildtier des Jahres gekürt.
In Deutschland begegnet man ihm vor allem an der Nordseeküste, wo er auf Sandbänken im Wattenmeer ruht. Allein im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer leben schätzungsweise 7000 Seehunde. An der deutschen Ostseeküste tauchen dagegen nur gelegentlich umherziehende Jungtiere auf.
- Fotos
- 8
- Zum ersten Mal
- 22.05.2016
- Zuletzt
- 12.07.2024
- Beobachtet
- Januar: –
- Februar: –
- März: –
- April: –
- Mai: 2
- Juni: –
- Juli: 2
- August: –
- September: –
- Oktober: –
- November: –
- Dezember: –
- Kamera
- Sony α6600 (6), Pentax K-30 (2)
- Objektiv
- Sony FE 200–600 mm G OSS + 1,4× Telekonverter
- Wissenschaftlicher Name
- Phoca vitulina
- Englisch
- Harbour Seal
- Klasse
- Säugetiere (Mammalia)
- Ordnung
- Raubtiere (Carnivora)
- Familie
- Hundsrobben (Phocidae)
- Gattung
- echte Hundsrobben (Phoca)
- Aktivität
- kathemeral
- Tragzeit
- 11 Monate
- Höchstalter
- 47,6 Jahre
- Gefährdung
- nicht gefährdet (IUCN: LC)
- Auszeichnungen
- Tier des Jahres 2006
Quelle: Wikidata · Wikipedia-Artikel
Seehunde sind vergleichsweise kleine, schlanke Robben. Männchen erreichen etwa 170 Zentimeter Länge und rund 150 Kilogramm, Weibchen bleiben mit etwa 140 Zentimetern und 100 Kilogramm deutlich kleiner. Ihre Färbung schwankt von Region zu Region stark. An den deutschen Küsten sind sie meist dunkelgrau und tragen unregelmäßig verstreute schwarze Flecken.
Verwechseln kann man den Seehund hierzulande vor allem mit der Kegelrobbe. Diese ist jedoch größer, während der Seehund an seinem rundlichen Kopf gut zu erkennen ist. Die Largha-Robbe galt früher als Unterart des Seehunds, wird heute aber als eigene Art geführt.
Am liebsten lebt der Seehund an Küsten mit Sandbänken, die bei Ebbe trockenfallen. Er kommt aber auch an geschützten Felsküsten vor. Sein Verbreitungsgebiet umfasst die nördlich-gemäßigten Bereiche von Atlantik und Pazifik. Es werden fünf geografische Unterarten unterschieden.
An der gesamten Nordseeküste ist der Seehund verbreitet, in der Ostsee dagegen eine große Seltenheit. Dort leben nur etwa 250 Tiere an den Küsten dänischer Inseln und Südschwedens. Damit ist er in der Ostsee noch seltener als Kegel- und Ringelrobbe. Auch an der französischen Atlantikküste gibt es Kolonien, die größte mit bis zu 700 Tieren in der Somme-Bucht. Gelegentlich schwimmen Seehunde sogar Rhein, Weser und Elbe hinauf.
Erwachsene Seehunde ernähren sich ausschließlich von Fisch. Auf ihrem Speiseplan stehen Heringe, Sardinen, Dorsche, Lachse, Stinte und Plattfische. Jüngere Tiere fressen dagegen zu einem großen Teil andere Meerestiere wie Krebse und Weichtiere. Bei der Jagd kommt ihnen ihr Tauchvermögen zugute: Ein Tauchgang dauert meist nur rund drei Minuten, kann aber bis zu 30 Minuten lang sein und bis in 200 Meter Tiefe führen.
Seehunde sind zu wechselnden Tages- und Nachtzeiten aktiv. Im Wasser leben sie als Einzelgänger, auf Sandbänken finden sie sich oft zu kleinen Gruppen zusammen. Gesellig sind sie trotzdem nicht. Berührungen durch Artgenossen beantworten sie aggressiv, und besonders Männchen verletzen sich dabei mitunter blutig. Deshalb liegen sie meist gleichmäßig verteilt mit mindestens anderthalb Metern Abstand. Ein entspannt ruhender Seehund nimmt häufig die „Bananenstellung“ ein, bei der Kopf und Hinterteil in die Luft ragen.
Die Paarung findet zwischen Juli und Anfang September im Wasser statt. Mehrere Männchen umwerben ein Weibchen, das sich zunächst mit Bissen und Fluchtversuchen wehrt. Nach rund elf Monaten Tragzeit, in denen die Entwicklung des Embryos anfangs zwei bis zweieinhalb Monate ruht, kommt im Juni oder Juli des Folgejahres meist ein einzelnes Junges zur Welt. Es wiegt 8 bis 12 Kilogramm, misst 80 bis 90 Zentimeter und kann sofort schwimmen. Drei bis sechs Wochen lang wird es gesäugt, danach ist es auf sich gestellt. In freier Natur werden Seehunde etwa 30 bis 35 Jahre alt, wobei Weibchen meist länger leben als die kampfgezeichneten Männchen.
Nicht jeder Seehund, der allein am Strand liegt, ist ein verlassener „Heuler“. Oft ruht das Tier einfach, und die typische Bananenstellung zeigt, dass es entspannt ist. Solche Tiere sollte man keinesfalls anfassen oder mitnehmen; das Entnehmen von Seehunden aus der Natur ist in Deutschland verboten und kann mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Störungen durch Menschen gehören zu den Gründen, warum Jungtiere ihre Mutter verlieren. Viele Seehundbänke liegen heute in den geschützten Kernzonen der Nationalparks, daher gelingen die besten Beobachtungen und Fotos mit Geduld, Abstand und einem langen Teleobjektiv. Kurios: Eiszeitliche Siedler am Unterrhein ritzten bereits Robbenumrisse in Steinplatten.
Die Art gilt laut Roter Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC).