Rund, zutraulich und mit leuchtend orangeroter Brust: Das Rotkehlchen singt fast das ganze Jahr, verteidigt sein Revier erstaunlich energisch und half sogar, den Magnetsinn der Vögel zu entdecken.
Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) ist ein kleiner Singvogel aus der Familie der Fliegenschnäpper, den Carl von Linné bereits 1758 beschrieb. Kaum ein anderer Vogel ist so bekannt und beliebt: Die orangerote Brust, die rundliche Gestalt und die oft erstaunlich geringe Scheu machen es zu einem echten Sympathieträger. In Deutschland wurde es 1992 und 2021 zum „Vogel des Jahres“ gewählt, in der Schweiz 2025.
Besonders ist vor allem sein Gesang: Mit rund 275 nachgewiesenen, ständig wechselnden Motiven ist er äußerst abwechslungsreich und schon etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang zu hören – mit Ausnahme der Mauserzeit fast das ganze Jahr über. Auch in der Wissenschaft hat der kleine Vogel Geschichte geschrieben: An Rotkehlchen wies der Frankfurter Forscher Wolfgang Wiltschko in den 1970er-Jahren nach, dass Zugvögel sich am Erdmagnetfeld orientieren können.
In Deutschland zählt das Rotkehlchen mit geschätzt 2,8 bis 3,4 Millionen Brutpaaren zu den häufigsten Brutvögeln und gilt als nicht gefährdet. Man begegnet ihm in Wäldern mit lockerem Unterwuchs ebenso wie in Hecken, Parks, auf Friedhöfen und im heimischen Garten – im Winter auch gern am Futterhäuschen.
- Fotos
- 2
- Fotografiert am
- 15.08.2026
- Beobachtet
- Januar: –
- Februar: –
- März: –
- April: –
- Mai: –
- Juni: –
- Juli: –
- August: 2
- September: –
- Oktober: –
- November: –
- Dezember: –
- Kamera
- SONY ILCE-6700
- Objektiv
- Sony FE 200–600 mm F5.6–6.3 G OSS
- Wissenschaftlicher Name
- Erithacus rubecula (Linnaeus, 1758)
- Englisch
- Robin
- Klasse
- Vögel (Aves)
- Ordnung
- Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie
- Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
- Gattung
- Erithacus
- Aktivität
- tagaktiv
- Spannweite
- 21 cm
- Gewicht
- 2,4 g (Geburtsgewicht)
- Wurfgröße
- 2
- Gefährdung
- nicht gefährdet (IUCN: LC)
- Auszeichnungen
- Vogel des Jahres 2021, Vogel des Jahres 2016, Vogel des Jahres 1992, Gartentier des Jahres 2017, Gartentier des Jahres 2012
Quelle: Wikidata · Wikipedia-Artikel
Stimme
Aufnahme: This file has been provided by the British Library from its digital collections. Links to the British Library's website may be broken as the library recovers from a October 2023 cyber attack, and will be updated once material becomes accessible online. For more information on the attack see: https://www.bl.uk/about/cyber-attack It is also made available on a British Library website. · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:European_Robin_(Erithacus_rubecula)_(W1CDR0001425_BD16).ogg)Das Rotkehlchen ist etwa 13,5 bis 14 Zentimeter groß, wiegt meist 15 bis 18 Gramm und erreicht eine Flügelspannweite von 20 bis 22 Zentimetern. Typisch sind die rundliche Figur und die langen, dünnen Beine. Das Orangerot erstreckt sich von der Stirn über Kehle, Kopf- und Halsseiten bis zur Vorderbrust, wo es am kräftigsten leuchtet; an der Stirn ist es aschgrau gesäumt. Die Oberseite ist olivbraun und wirkt im Frühjahr durch abgenutzte Federränder eher gräulich. Der Bauch ist weiß und seitlich hell olivbraun eingefasst, Schnabel und Füße sind dunkel. Männchen und Weibchen sehen gleich aus.
Jungvögel tragen noch kein Rot: Ihr Gefieder ist dunkelbraun mit hellen, rahmfarbenen bis ockergelben Flecken. Verwechseln könnte man sie mit jungen Hausrotschwänzen, die jedoch einen rostroten Schwanz haben, oder mit jungen Nachtigallen, die größer und unterseits dunkler sind. Das Männchen des Zwergschnäppers unterscheidet sich vom erwachsenen Rotkehlchen durch die Größe, die fehlende orangerote Stirn und eine weiße Zeichnung an der Schwanzwurzel.
Das Rotkehlchen lebt in der westlichen Paläarktis, also in Europa, Nordafrika, Kleinasien und auf den Mittelmeerinseln. Im nördlichen Skandinavien und auf Island fehlt es. In West-, Süd- und Mitteleuropa sowie auf den Britischen Inseln ist es überwiegend Standvogel, ein Teil der Vögel zieht im Winter aber über kurze bis mittlere Strecken. Die Populationen aus Nord- und Osteuropa sind Zugvögel: Sie brechen im Oktober in den Mittelmeerraum und den Nahen Osten auf und kehren im März zurück. In Mitteleuropa erreicht der Durchzug Ende September bis Anfang Oktober seinen Höhepunkt.
Ursprünglich bewohnt das Rotkehlchen Au-, Laub-, Misch- und Nadelwälder, sofern der Boden nicht zu dicht bewachsen ist und reichlich Kleintiere bietet. Es mag schattige, eher feuchte Plätze, oft in Wassernähe, und hält sich gern in Gebüschen, Hecken und Unterholz auf. Im Gebirge steigt es bis auf 2600 Meter. Ebenso fühlt es sich in Parks, auf Friedhöfen, in Feldgehölzen und Gärten zu Hause.
Auf dem Speiseplan stehen vor allem Insekten, kleine Spinnen, kleine Regenwürmer und Schnecken; während der Brutzeit frisst das Rotkehlchen fast ausschließlich tierische Kost. Vom Spätsommer bis in den Winter ergänzt es seine Nahrung durch Beeren und weiche Samen, etwa von Pfaffenhütchen („Rotkehlchenbrot“), Mehlbeere oder Liguster – und verbreitet dabei keimfähige Samen. Auf der Suche nach Beute hüpft es in kleinen Sprüngen über den Boden, wendet Laub um oder stürzt sich von einer Ansitzwarte auf Insekten. Gern nutzt es die Gelegenheit, wenn andere Tiere Nahrung aufscheuchen oder freilegen. Im Winter besucht es Futterstellen und bevorzugt dort Fettfutter und Körner. Selbst beim Fang von Wasserinsekten und kleinen Fischen im seichten Wasser wurden Rotkehlchen schon beobachtet.
Rotkehlchen sind ausgesprochen revierbewusst. Im Winter besetzen Männchen und Weibchen jeweils ein eigenes Revier, das beide auch mit Gesang verteidigen. Rivalen werden zunächst angesungen; hilft das nicht, plustert sich der Revierinhaber auf und präsentiert seine rote Brust. Im Ernstfall kommt es zu erbitterten Kämpfen, die eine halbe Stunde oder länger dauern und sogar tödlich enden können. Am Futterhaus duldet ein Rotkehlchen oft keinen anderen Vogel neben sich. Aktiv ist es vor allem in der Dämmerung und am Tag; auf dem Zug fliegt es nachts und fällt dann im ersten Morgenlicht oft in größerer Zahl aus großer Höhe ein.
Oft schon im Januar verlässt das Weibchen sein Revier und sucht sich einen Partner. Gebrütet wird in Mitteleuropa meist ab April, zwei, selten drei Bruten pro Jahr sind möglich. Das Weibchen baut das napfförmige Nest gut versteckt, meist am Boden in Böschungen, Wurzelwerk oder Bodenmulden, gelegentlich auch in Mauerlöchern oder Nischenkästen. Es legt fünf bis sieben, meist sechs rötlich gefleckte Eier und brütet sie 13 bis 15 Tage allein aus, während das Männchen es mit Futter versorgt. Nach 12 bis 15 Tagen verlassen die Jungen das Nest, verstecken sich zunächst noch flugunfähig am Boden und werden weiter gefüttert, bis sie nach etwa drei Wochen selbstständig sind.
Rotkehlchen folgen gern größeren Tieren bis auf etwa einen Meter, weil dort Insekten aufgescheucht werden – im Garten geschieht das oft auch beim Umgraben, sodass sich ganz ohne Annäherung schöne Beobachtungen ergeben. Die besten Chancen auf Gesangsbilder bieten Morgen- und Abenddämmerung, wenn das Männchen mit vorgestreckter Brust auf einer erhöhten Singwarte sitzt; in der Nähe von Straßenlampen singen manche sogar nachts. Rotkehlchen baden zu jeder Jahreszeit sehr gern, abends besonders an flachen Uferstellen oder Vogeltränken – eine gut einsehbare Tränke ist daher ein idealer Fotospot. Nester am Boden sollte man unbedingt meiden: Gestörte Weibchen fliegen sofort ab, und bei Schreck können die Vögel sogar ihre Schwanzfedern abwerfen. Kurios: Das höchste nachgewiesene Alter eines Rotkehlchens liegt bei über 17 Jahren.
Die Art gilt laut Roter Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC).