Lautlos im Flug, unverkennbar in der Stimme: Der Waldkauz ist neben der Waldohreule die häufigste Eule Mitteleuropas, und sein heulender Ruf gilt vielen als Inbegriff der Nacht.
Der Waldkauz ist eine mittelgroße Eule aus der Familie der Eigentlichen Eulen. Mit seinem runden Kopf ohne Federohren, der gedrungenen Gestalt und dem rindenfarbenen Gefieder ist er perfekt an ein Leben zwischen Baumstämmen angepasst. Er wird erst in der Dämmerung aktiv, ungefähr dann, wenn wir Menschen draußen keine Farben mehr erkennen können. Den Tag verschläft er gut versteckt.
Sein lang gezogenes, heulendes Rufen kennen viele Menschen, ohne den Vogel je gesehen zu haben. Filme nutzen es gern, um eine nächtliche Stimmung zu erzeugen, und schon Shakespeare hat das Wechselspiel aus dem Kuwitt des Weibchens und dem Hu des Männchens in einem seiner Stücke verewigt. Im Volksglauben galt der Kauz dagegen als unheilvoller „Totenvogel“, dessen Kuwitt man als „Komm mit!“ deutete. 2017 wählten NABU und LBV ihn zum Vogel des Jahres, um auf den Wert alter Höhlenbäume aufmerksam zu machen.
In Mitteleuropa zählt der Waldkauz zu den häufigsten Eulen. Für Deutschland schätzt man rund 64.000 Brutpaare. Er lebt überall dort, wo es genügend Bäume gibt: in alten Laub- und Mischwäldern ebenso wie in Parks, auf Friedhöfen, in Alleen und Gärten mit altem Baumbestand, also oft mitten in Städten und Dörfern.
- Fotos
- 4
- Kamera
- Sony α6600
- Objektiv
- Sony FE 200–600 mm G OSS + 1,4× Telekonverter (1), Sony FE 523-1182mm F2.3-8.2 OSS (1)
- Wissenschaftlicher Name
- Strix aluco
- Englisch
- Tawny Owl
- Klasse
- Vögel (Aves)
- Ordnung
- Eulen (Strigiformes)
- Familie
- Eigentliche Eulen (Strigidae)
- Gattung
- Strix
- Aktivität
- nachtaktiv
- Spannweite
- 99 cm
- Gewicht
- 426 g (Männchen), 524 g (Weibchen)
- Wurfgröße
- 3,2
- Gefährdung
- nicht gefährdet (IUCN: LC)
- Auszeichnungen
- Vogel des Jahres 2017
Quelle: Wikidata · Wikipedia-Artikel
Stimme
Aufnahme: This file has been provided by the British Library from its digital collections. Links to the British Library's website may be broken as the library recovers from a October 2023 cyber attack, and will be updated once material becomes accessible online. For more information on the attack see: https://www.bl.uk/about/cyber-attack It is also made available on a British Library website. · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tawny_Owl_(Strix_aluco)_(W1CDR0001427_BD9).ogg)Ein Waldkauz misst etwa 40 bis 42 Zentimeter und bringt 330 bis 630 Gramm auf die Waage. Die Weibchen sind meist schwerer: In Deutschland wiegen sie im Schnitt rund 560 Gramm, die Männchen etwa 120 Gramm weniger. Das locker sitzende Gefieder lässt den kompakten Vogel größer erscheinen, als er ist. Der große, runde Kopf trägt einen dunkel umrandeten, meist beigebraunen Gesichtsschleier, über dem zwei helle Striche verlaufen. Dazu kommen dunkle, fast schwarze Augen und ein kräftiger, gelblicher Hakenschnabel. Die Oberseite ist dunkler als die Unterseite. Helle Tropfenflecken auf Schultern und Flügeln wirken im Halbdunkel des Waldes wie Sonnenflecken und machen die Tarnung nahezu perfekt. Die Flügel sind kurz, breit und gerundet, die Spannweite liegt bei etwa 81 bis 96 Zentimetern.
Waldkäuze gibt es in mehreren Farbvarianten, von grau über braun bis rostbraun. Mit Alter oder Geschlecht hat das nichts zu tun, die Färbung ist erblich und eine Anpassung an den jeweiligen Lebensraum. Im feuchteren Westeuropa überwiegen braune Tiere, im Osten und Norden graue. Von der ähnlich großen Waldohreule unterscheidet sich der Waldkauz durch die fehlenden Federohren und die dunklen Augen. Im Flug wirkt er plumper, breitflügliger und langschwänziger. Junge Käuze tragen zunächst ein wolliges, quer gebändertes Zwischenkleid, aus dem später das längs gestreifte Gefieder der Altvögel wird.
Der Waldkauz besiedelt die Laub- und Mischwälder der gemäßigten und mediterranen Zone bis an den Rand der nördlichen Nadelwälder. Sein Verbreitungsgebiet ist zweigeteilt: Ein großes westliches Areal reicht von Westeuropa und Nordwestafrika bis in den Iran und nach Westsibirien, ein kleineres östliches liegt in Zentralasien, Afghanistan und im Norden Pakistans. In den Alpen kommt er bis etwa 1800 Meter Höhe vor. Weltweit gilt die Art als ungefährdet, in Europa schätzt man 500.000 bis eine Million Brutpaare.
Wichtig sind ihm abwechslungsreiche Landschaften, in denen sich Wald und Baumgruppen mit offenen Flächen abwechseln. Er bevorzugt alte Laub- und Mischwälder, zeigt sich aber sehr anpassungsfähig und lebt auch in Nadelwäldern, in der Kulturlandschaft und in Städten. Als Höhlenbrüter nutzt er Baumhöhlen, Felsnischen, alte Krähen- oder Greifvogelnester, Nistkästen und Gebäude, gelegentlich sogar Scheunen oder Schornsteine. In den baumarmen Dünen der Niederlande brütet er notfalls in Kaninchenbauen. Fehlen Bäume weitgehend, fehlt auch der Waldkauz.
Der Waldkauz ist bei seiner Nahrung kaum wählerisch und frisst, was sein Revier gerade hergibt. In guten Mäusejahren bestehen bis zu drei Viertel seiner Beute aus Wühl- und Echten Mäusen. Gibt es weniger Mäuse, weicht er auf Kleinvögel aus. Stadtkäuze, etwa in Berlin, leben sogar überwiegend von Vögeln. Daneben erbeutet er Ratten, Spitzmäuse, Frösche, Fische, Käfer und Regenwürmer, und gelegentlich wagt er sich sogar an Kaninchen oder Eichhörnchen. Er jagt im fast lautlosen Suchflug entlang von Waldrändern und Wegen oder lauert stundenlang auf niedrigen Ansitzwarten. Dabei verlässt er sich stark auf sein Gehör: Er reagiert auf das Fiepen der Mäuse und ortet sogar Regenwürmer akustisch. Schlafende Kleinvögel scheucht er mit Flügelklatschen auf. Pro Tag braucht er etwa 60 bis 70 Gramm Nahrung, das entspricht rund vier Feldmäusen. Mäuse schluckt er meist im Ganzen, Unverdauliches wie Fell würgt er als hellgraues Gewölle wieder hervor.
Waldkäuze sind ausgesprochene Standvögel und bleiben ihr Leben lang in ihrem Revier, das ein Paar das ganze Jahr über verteidigt. Die Partner bleiben meist ein Leben lang zusammen. Nach der Jungenaufzucht gehen sie im Sommer jedoch eine Zeit lang getrennte Wege. Im Oktober und November beginnt die Herbstbalz, in der sich Paare wiederfinden oder neu bilden, und die Rufe werden deutlich häufiger. Nach einer ruhigeren Phase im Dezember erreicht die Balz im März ihren Höhepunkt, dann rufen Männchen und Weibchen fast jeden Abend im Wechsel. Die Rufe der Männchen sind so individuell, dass man einzelne Tiere daran unterscheiden kann.
In Mitteleuropa beginnt die Brut meist im März, in Städten oft schon früher. Das Weibchen wählt die Bruthöhle aus und legt meist zwei bis vier Eier direkt auf den Höhlenboden. Rund 28 bis 30 Tage lang brütet es allein und wird dabei vom Männchen mit Futter versorgt. Nach vier bis fünf Wochen verlassen die Jungen die Höhle, oft noch flugunfähig. Viele landen dabei auf dem Boden und klettern dann an Gestrüpp oder rauer Rinde wieder empor. Als sogenannte Ästlinge werden sie von den Eltern noch bis zu ihrem etwa 100. Lebenstag versorgt. Im Herbst vertreiben die Altvögel den Nachwuchs, der sich meist nicht weit entfernt ein eigenes Revier sucht.
Den Waldkauz entdeckt man am leichtesten mit den Ohren: An Abenden im Herbst und im zeitigen Frühjahr, besonders im März, ist sein Revierruf weithin zu hören. Hinweise auf Tageseinstände und Ansitzwarten geben Gewölle, die an einem Ende zugespitzt und etwa zwei bis fünf Zentimeter lang sind. Bei Brutplätzen und Ästlingen ist allerdings große Zurückhaltung gefragt. Die Altvögel verteidigen ihre Jungen ohne Vorwarnung mit lautlosen Angriffen von hinten und können dabei Menschen verletzen. Der berühmte britische Naturfotograf Eric Hosking verlor bei Aufnahmen an einer Waldkauzhöhle sogar ein Auge. Junge Käuze, die scheinbar hilflos am Boden oder auf Ästen sitzen, werden in aller Regel von ihren Eltern weiter versorgt. Ein überraschendes Detail: Die Nestlinge sitzen manchmal regelrecht auf Vorräten, in einer Höhle fand man vier Jungkäuze auf 38 Feldmäusen und einer Kohlmeise. Wildlebende Waldkäuze können übrigens über 20 Jahre alt werden.
Die Art gilt laut Roter Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC).