Mit über zwei Metern Spannweite zählt der Seeadler zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas. Einst fast ausgerottet, kreist er heute wieder über vielen Seen, Flüssen und Küsten.
Der Seeadler ist ein mächtiger Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen. Sein wissenschaftlicher Name verrät bereits viel: Er setzt sich aus griechischen und lateinischen Wörtern für Meerwasser, Adler, weiß und Schwanz zusammen. Der kurze, weiße Schwanz ist tatsächlich eines seiner Kennzeichen. Im westlichen Teil der Paläarktis werden nur drei Geierarten größer als er.
Seine Geschichte ist ein Lehrstück des Naturschutzes. Jahrhundertelange Verfolgung und später das Insektizid DDT, das zu dünnschaligen, zerbrechenden Eiern führte, hätten ihn in Mittel- und Westeuropa beinahe verschwinden lassen. Nach dem DDT-Verbot und dank zahlreicher Schutzmaßnahmen erholten sich die Bestände spürbar: In Deutschland stieg die Zahl der Brutpaare von 185 im Jahr 1990 auf rund 700 im Jahr 2018. 2006 wurde er zum Vogel des Jahres gekürt, 2021 zum Naturparktier des Jahres.
In Deutschland begegnet man dem Seeadler vor allem in wasserreichen Wald-Seen-Landschaften. Besonders viele Paare leben rund um die Müritz in Mecklenburg-Vorpommern und in der sächsischen Oberlausitz. Inzwischen hat er auch Gebiete wie Niedersachsen, Bayern, Österreich, Tschechien und die Niederlande zurückerobert.
- Fotos
- 11
- Zum ersten Mal
- 10.08.2026
- Zuletzt
- 14.08.2026
- Beobachtet
- Januar: –
- Februar: –
- März: –
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- August: 10
- September: –
- Oktober: –
- November: –
- Dezember: –
- Kamera
- SONY ILCE-6700
- Objektiv
- Sony FE 200–600 mm G OSS + 1,4× Telekonverter (6), Sony FE 200–600 mm F5.6–6.3 G OSS (4), Sony FE 200–600 mm F5.6–6.3 G OSS (1)
- Wissenschaftlicher Name
- Haliaeetus albicilla
- Englisch
- White-tailed Eagle
- Klasse
- Vögel (Aves)
- Ordnung
- Greifvögel (Accipitriformes)
- Familie
- Habichtartige (Accipitridae)
- Gattung
- Seeadler (Haliaeetus)
- Spannweite
- 2,18 m
- Gewicht
- 142 g (Geburtsgewicht), 4,01 kg (Männchen), 5,57 kg (Weibchen)
- Gefährdung
- nicht gefährdet (IUCN: LC)
- Auszeichnungen
- Vogel des Jahres 2006, Naturparktier des Jahres 2021
Quelle: Wikidata · Wikipedia-Artikel
Seeadler sind 74 bis 92 Zentimeter lang und erreichen eine Flügelspannweite von 193 bis 244 Zentimetern. Die Weibchen sind im Schnitt deutlich größer und schwerer als die Männchen: Sie wiegen 3,7 bis 6,9 Kilogramm, die Männchen 3,1 bis 5,4 Kilogramm. Erwachsene Vögel tragen ein überwiegend braunes Gefieder, Kopf, Hals, obere Brust und oberer Rücken sind gelblich-ocker aufgehellt. Der weiße Schwanz ist kurz und keilförmig. Schnabelhaut, Augen und die auffallend großen, kräftigen Füße leuchten hellgelb. Im Sitzen wirkt der Vogel kantig, kompakt und fast bullig, mit langem, kräftigem Hals. Junge Seeadler sind dunkelbraun mit dunkelgrauen Füßen und erst nach etwa fünf Jahren voll ausgefärbt.
Im Flug ist der Seeadler in Mitteleuropa kaum zu verwechseln: Der weit vorgestreckte Hals und die breiten, brettartigen, beim Segeln waagerecht gehaltenen Flügel sind typisch. Weil der weiße Schwanz aus großer Höhe oft kaum zu erkennen ist, spricht man vom „fliegenden Gerüstbrett“. Vom Steinadler unterscheidet er sich unter anderem durch die bis zu den Zehen unbefiederten Beine. Junge Seeadler werden wegen ihrer dunklen Schwanzendbinde manchmal für junge Steinadler gehalten, ihnen fehlen aber die hellen Flügelfelder, und auch die Körperproportionen unterscheiden sich deutlich. Sehr ähnlich in Aussehen und Lebensweise ist der amerikanische Weißkopfseeadler.
Seeadler sind an große Gewässer gebunden: Sie leben an Küsten, großen Seen und Flüssen. Im mitteleuropäischen Binnenland bevorzugen sie Landschaften, in denen sich Wälder und Seen abwechseln. Zum Brüten benötigen sie hier alte Bäume, in Norddeutschland vor allem Rotbuchen, im Osten Deutschlands auch Waldkiefern. An den Küsten Nordeuropas, etwa in Norwegen, nisten viele in Felswänden, auf abgelegenen, baumlosen Inseln sogar am Boden.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die gemäßigten, borealen und arktischen Zonen Eurasiens von Island und Irland bis nach Kamtschatka und Japan; auch Grönland ist besiedelt. In Europa reicht es vom Norden Norwegens bis nach Nordgriechenland. Erwachsene Vögel bleiben in Europa meist das ganze Jahr in ihrem Revier, während junge und revierlose Adler weit umherstreifen. Die Seeadler aus Nordrussland und Sibirien ziehen dagegen im Winter unter anderem nach Japan, Korea, China, Indien oder ans Kaspische Meer.
Auf dem Speiseplan stehen vor allem Fische und Wasservögel, dazu kommt reichlich Aas; lebende Säugetiere spielen meist eine Nebenrolle. In Schleswig-Holstein machen Fische wie Bleie und Karpfen fast drei Viertel der Beute aus, bei den Vögeln dominiert das Blässhuhn. Im Winter steigt der Anteil der Wasservögel im Binnenland auf rund 80 Prozent, und Aas – etwa von Hirschen und Wildschweinen – gewinnt an Bedeutung. Der Seeadler jagt möglichst kraftsparend: Er lauert stundenlang auf ruhigen Sitzwarten, sammelt tote Fische von der Wasseroberfläche, greift kranke oder flugunfähige Vögel und zwingt Tauchvögel durch wiederholte Angriffe so lange zum Abtauchen, bis sie erschöpft sind – besonders erfolgreich, wenn beide Partner abwechselnd angreifen. Fischadlern und anderen Greifvögeln jagt er geschickt die Beute ab, und Kolkraben oder Krähen verraten ihm oft, wo ein Kadaver liegt.
Ältere Seeadlerpaare bleiben ein Leben lang zusammen. Vor allem im Winter zeigen sie spektakuläre Balzflüge mit synchronem Fliegen, gemeinsamem Kreisen und spielerischen Scheinangriffen. Ihr Revier verteidigen sie entschlossen gegen ausgefärbte fremde Adler, während Jungvögel meist geduldet werden. Gelegentlich enden Revierkämpfe mit schweren Verletzungen oder sogar tödlich – sie gelten als wichtigste natürliche Todesursache. Junge Adler finden sich dagegen an nahrungsreichen Plätzen oft zu Gruppen von 20 und mehr Tieren zusammen und teilen sich Schlafplätze. In der Nähe des Horstes ist besonders in der Morgen- und Abenddämmerung die hohe, heisere Rufreihe des Paares zu hören, die oft im Duett vorgetragen wird.
Der Horst aus Ästen wird mit Gras und Moos ausgepolstert und oft über Jahrzehnte immer wieder genutzt und erweitert; viele Reviere besitzen zusätzlich Wechselhorste. In Mitteleuropa beginnt die Brut zwischen Mitte Februar und Mitte März. Ein bis drei weiße Eier werden etwa 38 Tage bebrütet. Nach rund 75 Tagen klettern die Jungen als Ästlinge im Baum umher, nach 80 bis 90 Tagen unternehmen sie erste kurze Flüge.
Alte, über Jahrzehnte genutzte Seeadlerhorste können bis zu fünf Meter hoch werden und rund 600 Kilogramm wiegen. Überraschend ist auch, wie der Adler mit großen Fischen über zwei Kilogramm umgeht: Er hält sie im Wasser fest, liegt dabei teils minutenlang mit ausgebreiteten Flügeln auf der Oberfläche und schwimmt schließlich mit seiner Beute an Land. Wer Seeadler beobachten möchte, hat im Winter gute Chancen: Eislöcher mit Wasservögeln, abgefischte Teiche und Gewässerlandschaften wie die Donau-Auen locken oft mehrere Adler an, und an sonnigen, windigen Tagen sind die Balzflüge besonders lebhaft. Rufen die Altvögel anhaltend abgehackt „ak, ak, ak“, fühlen sie sich am Horst gestört – dann sollte man sich sofort zurückziehen und Abstand halten. Eine große Gefahr für die Art ist übrigens Blei aus Jagdmunition, das die Adler mit Aas und Innereien aufnehmen; bleifreie Alternativen gibt es seit Langem.
Die Art gilt laut Roter Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC).
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